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Ja, auch die S-Bahn-Kunden sind lernfähig!

In Uncategorized on 18. September 2009 at 11:48
Leere Versprechen, volle Züge?

Leere Versprechen, volle Züge?

Nach Monaten, ja Jahren, in denen wir schon ein S-Bahn-System erlebt haben, das 1936 einmal als modern galt, den Zweiten Weltkrieg ohne größere Blessuren, diverse Streiks und sogar einen Boykott überstanden hat, kommen endlich auch einmal wir Kunden zum Zuge. Na gut, vielleicht weniger zum Zug, weil der ja eher nicht kommt. Jedenfalls ist uns endlich klar geworden, dass der Sinn der S-Bahn nicht darin besteht, Leute möglichst zuverlässig von A nach B zu befördern, sondern – wieso sollte es ausgerechnet bei der S-Bahn anders sein? – Geld zu verdienen. Geld für einen Konzern, der – ja Moment, der eigentlich noch dem Staat, also uns allen, gehört. Also, wie auch immer, auch wir S-Bahn-Kunden lernen, mit unserem Geld besser umzugehen, ja vielleicht sogar am Ende mehr Geld übrig zu haben.

Ich fahre seit Juni mit dem Rad zur Arbeit. Anfangs noch freiwillig, weil ich gerne im Sommer Fahrrad fahre. Damals, es scheint schon so lange her zu sein, fuhr die S-Bahn schneller als ich mit dem Rad fahren konnte. Es klingt drollig, aber es fuhren sogar alle paar Minuten Bahnen, und man musste sogar noch mit Geld bezahlen, denn damals gab es noch Fahrkartenkontrollen n den S-Bahnen. Die Kontrolleure konnten sogar noch durch die Wagen gehen und jeden Fahrschein kontrollieren!

Es gibt sogar noch ein paar Leute, die haben ihre Fahrkarten im voraus bezahlt. Manche für eine Woche, ein paar sogar für den ganzen Monat, und, halten Sie sich fest, einige sogar für ein ganzes Jahr! Als ob man schon ein ganzes Jahr im voraus wüsste, ob man mit der S-Bahn durch die Stadt kommt…Einige ganz Verwegene haben ihr Abonnement sogar bei der S-Bahn-Berlin abgeschlossen, ebenso wie man ja auch sein Geld an der Börse verlieren kann.

Allerdings könnten nun all diese Leute ein wenig verschnupft reagieren, weil ja die S-Bahn nun nicht mehr so zuverlässig ist. Aber da sie ja von der S-Bahn gelernt haben, wie man Geld spart, könnten all diese wagemutigen Menschen ihr Abonnement bei der S-Bahn kündigen und, wenn sie meinen, weiterhin ein Abonnement zu benötigen, dieses bei einem anderen Verkehrsunternehmen (z.B. BVG) abschließen.

Laut Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg würden sie damit keinen Cent sparen. Aber ihr Geld würde dann vollständig dem anderen Verkehrsunternehmen zufließen. Und die S-Bahn würde nur einen geringfügigen Ausgleich für die entgangenen Einnahmen erhalten. Was dann, geldtechnisch gesehen, ganz schön gemein von diesen Leuten wäre.

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Schiff ahoi in Pankow

In Uncategorized on 6. September 2009 at 5:23
Foto: Frank Behrendt

Foto: Frank Behrendt

Die Brückengeländer an der Ossietzkystraße waren belagert mit Zuschauern, und an der Treppe zur Panke hinunter standen die Bootseigentümer und warteten auf die Startfreigabe: panke.info e.V. hatte zur ersten Panke-Regatta mit Papierbooten und Holzflößen eingeladen. Am Nachmittag des 5.9.09 waren viele Familien zur Besichtigung des Schlosses Schönhausen unterwegs und waren auf ein solch feucht-maritimes Vergnügen nicht eingestellt. Doch die Kinder zogen ihre Eltern zum Stand von panke.info, wo schon eifrig gebastelt und gefaltet wurde.

„Es war manchmal zu wenig Zeit für den eigentlichen Floßbau“, fand Ralf Hertsch, der die Kinder beim Sägen und Bohren unterstützte. Es hatten sich im Laufe des Nachmittags immer mehr Teilnehmer für die Regatta angemeldet, die dann kurzfristig auch mit Papierschiffen antreten konnten. „Ich weiß gar nicht mehr, wie man die faltet…“, stöhnte ein Vater – doch für diesen Fall war eine Faltanleitung ausgelegt. So konnten die Kinder bunte Schiffe falten und sich die Eltern an ihre Kindheit erinnern.

Sören Marotz moderierte die Durchläufe, und unterzog die Teilnehmerboote erst einmal einer technischen Abnahme. „Für die Dopingkontrolle muss ich erfahren, was die Regattateilnehmer gefrühstückt haben“, meinte Marotz mit strengem Blick – und brachte manchen erwachsenen Teilnehmer in Verlegenheit, der nicht mehr wusste, was sich in seinem Morgenmüsli befunden hatte.

In der Panke

Foto: Frank Behrendt

Dann ging es aber endlich die Treppe hinunter, und die Boote wurden in Position gebracht. Sören Marotz gab mit einem zu einem Megafon umfunktionierten Verkehrskegel den Startschuss. Pankeabwärts, hinter der Straßenbrücke, war die Strömung so stark, dass sich die vier Durchläufe allesamt zu einem spannenden Kopf-an-Kopfrennen entwickelten. Mal gewann ein Papierschiff, mal die teilweise sehr kunstvoll aus Naturmaterialien zusammengesetzten Flöße.

Bei der Siegerehrung musste manchmal auf die Zielfotos zurückgegriffen werden, so unklar war manchmal der genaue Ausgang des Wettbewerbs. Auch CDU-Kandidat Gottfried Ludewig, der in Pankow das Bundestagsmandat gewinnen will, war mit seiner Truppe ebenfalls unter den Teilnehmern, schnitt aber nur mäßig ab.

Doch nicht nur die Regatta stand auf der Tagesordnung. „Eigentlich wollten wir ja zum Schloss Schönhausen,“ sagte eine Spaziergängerin, die am Treffpunkt auf die nächste Stadtführung wartete. Denn nicht nur den meist jugendlichen Teilnehmer, sondern auch den Zaungästen wurde mit zusätzlichen Mini-Stadtführungen etwas geboten. Tourenguide Martin Riewestahl möchte erreichen, dass die Schlossbesucher auch etwas über die Umgebung der Regattastrecke erfahren. Schließlich gibt es über den Schlosspark, das „Städtchen“ am Majakowskiring und auch über unseren Panke-Fluss jede Menge zu erzählen. „Gar nicht so leicht, sich auf zwanzig Minuten zu beschränken“, findet Martin.

So hatten alle Besucher etwas von diesem ungewöhnlichen Erlebnis: ein kindliches Vergnügen, einen informativen Kurzrundgang, oder wie so mancher Helfer – einfach nur nasse Füße.

Robust und wild, gleich hinter Buch….

In Uncategorized on 12. August 2009 at 9:19

Kurz hinter der Berliner Stadtgrenze kann man bei einer Führung über die Rieselfelder in Hobrechtsfelde erleben, wie entscheidend Wasser sein kann. Auch ungewöhnliche Tiere lassen sich dort finden.

Die Teilnehmer der Führung sind teilweise vom Fach: „Ich hab’ ja selbst einen Garten“, sagt eine Dame auf die Frage, woher sie denn wüsste, dass Kiefernnadeln den Boden versauern. Förster Romeo Kappel hat gerade erklärt, dass sich Kiefern auf den Rieselfeldern leichter ansiedeln ließen als andere Baumarten. Dabei hat er selbst als Student in den 80er Jahren viele Bäume in diesem Gelände gepflanzt. Nur ein Drittel der damals gepflanzten Bäume überlebte: „Nachdem 1986 die Verrieselung von Abwässern eingestellt wurde, ist der Grundwasserspiegel stark gesunken“, erklärt Förster Kappel. Nach dem Ende der DDR lag das Gelände der Rieselfelder dann plötzlich in zwei Bundesländern, weshalb zwei Forst- und auch zwei Wasserbehörden zuständig sind. „In den Rieselfeldern war alles darauf ausgelegt, dass das Wasser schnell abfließt“, erklärt der Tourenleiter. Wie also das Gebiet wieder mit Wasser versorgen? „Von den einst täglich angepumpten 150 000 m³ Abwasser werden heute wieder 5000 m³ gereinigtes Abwasser in die Reinigungsteiche in Hobrechtsfelde zurückgeleitet“, erklärt Kappel. Rund um die Teiche ist es daher gelungen, den Grundwasserspiegel zu erhöhen. „Es ist Schicksal, dass dies erst heute wieder gelingt, weil das Absinken des Grundwassers vor zwei Jahrzehnten hätte vermieden werden können“, findet Kappel. Immerhin hat die Wiederbewässerung zu einer vitaleren Vegetation geführt: Wasser bedeutet Anhebung der ökologischen Vielfalt. Das ein zweites Mal gereinigte Wasser hat zwar keine Trinkwasserqualität, kann aber bedenkenlos über den Lietzengraben in die Panke abgeleitet werden. In diesem Zusammenhang weist Förster Kappel auch auf den Bewusstseinswandel hin, demzufolge Flüsse heute nicht mehr nur noch als Wasserableiter gesehen werden.

Ein erhebliches Problem bestand aber auch in der hohen Schadstoffbelastung der Böden. „Ich hätte nicht gedacht, dass Medikamente solche Auswirkungen haben können“, kommentiert ein Teilnehmer die Erläuterungen des Försters. Medikamente, Waschmittel und industrielle Abwässer haben nach der jahrzehntelangen Nutzung als Anbaufläche den Boden der Rieselfelder nachhaltig geschädigt. Um Blei und Cadmium daran zu hindern, ins Trinkwasser zu gelangen, wurde das „Bucher Verfahren“ entwickelt, erklärt Kappel: „Zuerst wurde das Gelände von Hubschraubern aus mit Kalk bestreut. Aus Kostengründen kam man dann aber auf 72000 Tonnen Bodenaushub der Berliner U-Bahn-Bauarbeiten.“ Der kalkhaltige Mergelboden aus Pankow wurde auf 12 Hektar 30 cm dick aufgetragen und anschließend eingefräst. Das Absinken des pH-Wertes konnte so abgepuffert werden.  „Damit wurde zwar das Schadstoffproblem stabilisiert, aber nicht dauerhaft gelöst,“ sagt Kappel, der hofft, dass einst sein Nachfolger in 10000 Jahren eine bessere Ausgangssituation vorfinden wird.

Ein weiterer Nebeneffekt waren die Findlinge, die sich im Bodenaushub versteckten: im Rahmen eines Bildhauersymposiums wurden diese zu Skulpturen verarbeitet. Als Projekt „Steine ohne Grenzen“ stehen sie über das gesamte Rieselfeldgebiet verteilt. Weitere Relikte, diesmal aus der Zeit der Verrieselung, sind abgeschnittene Rohre mit blauem Deckel, die heute als Wegmarken dienen und einen Rundkurs beschreiben.

Förster Kappel reißt auf dem Weg auch Zweige oder Gräser ab, um die Dynamik der Ansiedlung von Pflanzen zu erläutern. „Der eschenblättrige Ahorn wächst hier besonders gut – er ist resistent, robust und bildet nach wenigen Jahren geflügelte Samen“, erklärt er. Dieser Baum verbreitet sich jedoch sehr aggressiv und verdrängt somit andere Baumarten, die artenreichere Lebensräume darstellen. Auch die spätblühende amerikanische Traubenkirsche findet in Hobrechtsfelde ein ideales Verbreitungsgebiet, aber auch sie verbreitet sich sehr invasiv und ist nicht gerade ein typisches einheimisches Gewächs.

Auch Tiere spielen bei der Gestaltung dieser halboffenen Landschaftsform eine große Rolle: „Die großen Weidetiere wie Elche, Hirsche und Auerochsen fehlen heute“, erklärt Romeo Kappel. Dabei würden diese Tiere die Landschaft freifressen, und auch ihre Kothaufen sind für Kleintiere von Käfern bis hin zu Regenwürmern von großer Bedeutung.

In Hobrechtsfelde wird daher in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Eberswalde ein Beweidungsprojekt mit robusten Rindern und Wildpferden durchgeführt. Mirko Vergien, Diplom-Ingenieur für Landschaftsnutzung und Naturschutz, arbeitet für die Agrar-GmbH Gut Hobrechtsfelde, die die Beweidung durchführt: „Uns ist eine extensive Beweidung wichtig“, erklärt Vergien. Nur 0,3 Tiere pro Hektar – dies bedeutet genug Futter für die zwölf schottischen Hochlandrinder und die drei Konik-Wildpferde. Tag und Nacht, sommers wie winters stehen die Tiere ohne Aufsicht auf der 50 ha großen Weidefläche. „Die Rinder grasen von unten, während die Pferde vom Halm abwärts fressen“, erklärt Vergien das sich ergänzende Fressverhalten. Für die halboffene Landschaft sei es außerdem wichtig, dass die Gehölze zurückgebissen werden. Insgesamt sei der Beweidungseffekt gut, und die Verbuschung der Landschaft gestoppt. Und dies, so erklärt der Experte, erhöhe die Chancen, dass die Entstehung von Wald auf den Beweidungsfläche wieder gelingen kann.

Die Tiere sind wohl der Hauptgrund, weshalb viele Teilnehmer zu dieser Führung über die Weideflächen gekommen sind. Leider sind Rinder und Wildpferde an diesem Tag nur aus der Ferne im Dickicht stehend zu bewundern. Enttäuscht scheint aber niemand zu sein. „Besucher führe ich immer am liebsten auf die Rieselfelder“, sagt Herr Kühn aus Schönow. Frau Bublitz wollte ebenfalls mehr über die Pflanzen und Tiere erfahren: „Sonst fahre ich immer nur hier durch zum Gorinsee“, sagt die Dame aus Buch schmunzelnd. Sie und die anderen Teilnehmer wissen jetzt, dass die ungewöhnliche Landschaft der früheren Rieselfelder ein Stück belebter ist. Sie waren auf der anderen Seite des Elektrozauns.

Fotos und mehr Hintergrundinfos im gleichnamigen Artikel auf www.panke.info!

Mehr Informationen auch auf http://www.stadtentwicklung.berlin.de/forsten/rieselfelder_hobrechtsfelde/

Führungen des NABU findet man hier: NABU-Programm